Der Nusterhof

Zur Historie des Nusterhofes 

Die Geschichte des heutigen »Nusterhofes« geht bis in das 19. Jahrhundert zurück und ist eng mit der Oschatzer Industriegeschichte verbunden. In dieser Zeit entstanden in Oschatz mit der Waagenfabrikation, der Filzfabrikation und der Wollwarenfabrikation drei Industriezweige, die weit über 100 Jahre das Wirtschaftsleben in der Stadt bestimmten. Neben der Familie Carl Wilhelm und Auguste Therese Bieger, die 1859 zuallererst mit der Wollwarenfabrikation erfolgreich begonnen hatte, fasste 

Wilhelmine Nuster, eine Schwägerin der Biegers, 1862 den Entschluss, ebenfalls mit einer Wollwarenherstellung zu beginnen. Sie wurde dabei von ihrem Mann Georg Heinrich Nuster, der aus einer seit 1707 in der Strehlaer Straße ansässigen Zinngießerfamilie stammte, unterstützt.

Der Betrieb entwickelte sich rasch und für die 1876 vorgenommene Umstellung auf das maschinelle Stricken reichten die ehemaligen Räume der Zinngießerwerkstatt nicht aus. Zunächst wurde der Betrieb zwischen 1886 und 1900 in den hinzu gekauften Nachbarhäusern erweitert und 1901 baute der 1872 in die Firma eingetretene Sohn Carl Georg Nuster nach dem Abriss dieser Gebäude auf deren Grundstücken ein neues Geschäftshaus (heute Strehlaer Straße Nr. 18).

Die Produktion wurde ausgeweitet, die Zahl der Mitarbeiter musste erhöhte werden und es wurde erforderlich, den Betrieb nochmals zu vergrößern. 1907 ließ Carl Georg Nuster in der Badergasse die Häuser Nr. 11, 13, und 15 abbrechen und errichtete dort ein weiteres Werk (heute Badergasse Nr. 11). Nun war das gesamte Grundstück zwischen der Strehlaer Straße Nr. 18 und der Badergasse Nr. 11 im Besitz der Familie Nuster. 1923 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und expandierte mit der Übernahme der Bieger’schen Wollwarefabrik 1925 weiter.

Das Ende des 2. Weltkrieges mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands brachte der Firma Georg Heinrich Nuster A.G. zunächst die Demontage und danach die Enteignung. Die Firma Nuster wurde 1946 von den Wirtschaftsorganen der sowjetischen Besatzungszone mit der 1893 von Ernst Franke gegründeten Wollwarenfabrik, die seit 1897 ihren Sitz am Steinweg hatte und ebenfalls enteignet worden war, zusammengelegt und firmierte dann unter dem Namen »Volkseigener Betrieb Erstlings- und Kinderbekleidung Oschatz« (VEB EKO). Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde der VEB EKO 1993 liquidiert und das ehemalige Werk II in der Strehlaer Straße/Badergasse 2004 verkauft.

Der Immobilienwirt Thilo Schmidt erwarb das Gesamtgrundstück, stattete beide Gebäude nach umfassenden Rekonstruktionen mit attraktiven Wohnungen und Gewerberäumen aus und nannte die Gesamtanlage »Nusterhof«. Nach der Inbetriebnahme einer Arztpraxis für Innere Medizin im Jahre 2006 durch die Internistin Dipl.-Med. Anne-Kathrin Schmidt eröffnete die Beauty Praxis Dr. med. Petra Bursy am 6.12.2018 eine weitere Praxis in den geschichtsträchtigen Mauern der Nuster’schen Wollwarenfabrik.

Bilder: privates Archiv Dr. med. Schollmeyer